Formation und Taktik der portugiesischen Nationalmannschaft

Portugal spielt im 4-2-3-1 mit Vitinha und João Neves als Doppelsechs hinter Bruno Fernandes und bewusst asymmetrischen Außenverteidigern: Nuno Mendes schiebt links weit vor, während João Cancelo ins Zentrum einrückt.

Bei der WM 2026 spielte Portugal im 4-2-3-1, kontrollierte die Partien über eine Doppelsechs und griff über eine bewusst asymmetrisch besetzte linke Seite an.

Portugal qualifizierte sich für die WM 2026 und schied im Achtelfinale aus, nachdem Mikel Merino für Spanien in Arlington in der Nachspielzeit getroffen hatte. Roberto Martínez war seit 2023 im Amt und trat unmittelbar nach dieser Niederlage zurück; im Juli 2026 wurde Jorge Jesus zu seinem Nachfolger ernannt. Die hier beschriebene Ordnung nutzte Portugal in allen drei Gruppenspielen und erneut im Achtelfinale gegen Spanien: ein 4-2-3-1 mit Cristiano Ronaldo als alleiniger Spitze, Bruno Fernandes auf der zweiten Linie sowie Vitinha und João Neves zur Absicherung dahinter.

Diese Mannschaft ist eher aus Instinkt als aus Prinzip auf Ballbesitz ausgerichtet. Portugal presst selten über neunzig Minuten und steht ebenso selten in einem tiefen Block. Stattdessen nimmt das Team den Ball an sich, lässt ihn über die Doppelsechs aus Vitinha und João Neves laufen und wartet darauf, dass einer der individuell starken Angreifer eine Lücke findet. Die Ergebnisse 2025/26 zeigen beide Seiten dieses Ansatzes: neun Tore im Heimspiel gegen Armenien und weitere fünf auswärts, aber auch eine 0:2-Niederlage in Dublin und ein torloses Remis gegen Kolumbien.

Formation von Portugal — taktische Tafel

So ist Portugals 4-2-3-1 organisiert

Auf dem Papier ist es ein flaches 4-2-3-1, in Ballbesitz ähnelt die Ordnung eher einem 3-2-5. Sobald Portugal sich festgesetzt hat, verlässt Nuno Mendes die Viererkette und schiebt an der linken Seitenlinie bis auf Höhe der Angreifer vor. Renato Veiga rückt herüber und bildet die linke Position einer Dreierkette, während João Cancelo von rechts einrückt, statt zu hinterlaufen. So stehen hinter dem Ball drei zentrale Aufbauspieler, Mendes gibt weit vorn die Breite auf der linken Seite, während sie rechts tiefer entsteht, wo Pedro Neto an der Seitenlinie bleibt.

Der Aufbau beginnt bei Diogo Costa, der am Ball sicher genug ist, um Druck anzulocken und anschließend zu überspielen. Der erste Pass geht meist zu Vitinha, der sich dafür in Richtung der Innenverteidiger fallen lässt. Von dort fächert die Doppelsechs auf: Vitinha hält seine Position und lässt den Ball zirkulieren, João Neves schiebt vor und treibt ihn an. Bruno Fernandes ist das Ventil zwischen den Linien. Kommt Portugal nicht voran, lässt er sich zur Doppelsechs fallen; gelingt der Raumgewinn, dreht er zur gegnerischen Abwehr auf.

Gegen den Ball formieren sich dieselben elf Spieler in einem 4-4-2. Bruno Fernandes rückt neben Ronaldo vor, um den gegnerischen Sechser abzuschirmen, Neto und Félix fallen in ein Vierermittelfeld zurück, und die beiden zentralen Mittelfeldspieler halten ihre Linie, statt herauszuspringen. Dieser Mittelfeldblock soll kompakt bleiben, nicht den Ball weit vorn erobern. Im letzten Drittel zieht sich die Offensivreihe enger zusammen: Félix driftet nach innen in Brunos Raum, Mendes und Neto bringen die Hereingaben, und die Aufgabe der alleinigen Spitze besteht darin, bei deren Ankunft im Fünfmeterraum zu stehen.

Die taktischen Einheiten

  1. Torwart

    Auf dem Platz: Diogo Costa

    Diogo Costa ist Portugals Stammtorwart und wird für seine Spieleröffnung ebenso geschätzt wie für seine Paraden. Unter Druck führt er Abstöße kurz aus, bei hochgeschobener Abwehrlinie rückt er bis an die Strafraumkante vor, und ihm wird zugetraut, die erste Pressinglinie zu überspielen, statt den Ball zu klären. Sein Eröffnungspass geht normalerweise zu Vitinha und nicht zu einem Außenverteidiger.

  2. Viererkette

    Auf dem Platz: Nuno Mendes, Renato Veiga, Rúben Dias, João Cancelo

    Die asymmetrischste Einheit auf dem Platz. Rúben Dias organisiert sie und verteidigt aktiv nach vorn, während der linksfüßige Renato Veiga, der selbst als Linksverteidiger erfahren ist, den von Mendes geräumten Raum absichert. Sobald Portugal den Ball hat, ist Nuno Mendes nur dem Namen nach Außenverteidiger. João Cancelo macht das Gegenteil und rückt ein, um der Doppelsechs eine dritte Anspielstation zu geben. Gegen die DR Kongo sprang Tomás Araújo in der Innenverteidigung ein.

  3. Doppelsechs

    Auf dem Platz: Vitinha, João Neves

    Beide spielen im Verein für Paris Saint-Germain, und gerade diese Partnerschaft ist der Grund, weshalb Portugal zwei absichernde Mittelfeldspieler einem Mittelfeldtrio vorzieht. Vitinha agiert tiefer und gibt als Taktgeber nach Zuspielen der Innenverteidiger das Tempo vor. João Neves übernimmt die Laufarbeit: Er presst den Ball, sichert Cancelos eingerückte Position ab und stößt spät in den Strafraum. Gegen Kolumbien begann Rúben Neves an seiner Stelle.

  4. Offensivreihe

    Auf dem Platz: João Félix, Bruno Fernandes, Pedro Neto

    Nur einer der drei ist ein klassischer Flügelspieler. Pedro Neto bleibt rechts breit, sucht gegen seinen Außenverteidiger das Eins-gegen-eins und flankt von der Seitenlinie. João Félix ist nominell links aufgestellt, verbringt aber den Großteil des Spiels im linken Halbraum, weshalb Mendes außerhalb von ihm für Breite sorgen muss. Bruno Fernandes besitzt die freieste Rolle im Team, lässt sich für Anspiele tief fallen und stößt anschließend in den Strafraum vor.

  5. Alleinige Spitze

    Auf dem Platz: Cristiano Ronaldo

    Cristiano Ronaldo kam in allen fünf WM-Spielen Portugals zum Einsatz und füllte mit 41 die Rolle aus, die sein Körper zulässt: Er hält sich im und um den Strafraum auf, attackiert Flanken am kurzen Pfosten und beteiligt sich außerhalb des Strafraums kaum. Portugal nimmt diesen Tausch in Kauf und verzichtet im Angriff auf Pressing und Verbindungsspiel, um dafür ständig im Strafraum präsent zu sein. Gonçalo Ramos ist die Alternative.

Zentrale Verbindungen zwischen den Spielern

Diogo Costa → Vitinha — Baut über auf
Portugals erster Pass aus der Abwehr geht selten nach außen. Costa sucht Vitinha zwischen den Innenverteidigern und macht aus einem Abstoß kontrollierten Ballbesitz statt eines Zweikampfs. Mannschaften, die den Sechser mannorientiert decken, zwingen Costa zum langen Ball, worauf der Aufbau beinahe sofort seine Ordnung verliert.
Nuno Mendes → João Félix — Hinterläuft
Félix zieht nach innen, Mendes läuft außen um ihn herum. Dieses Duo bildet die gesamte linke Angriffsseite: Einer besetzt den Halbraum und zieht den Außenverteidiger mit hinein, der andere stößt an der Seitenlinie vor und kann vom Verteidiger nicht verfolgt werden, solange dieser Félix deckt.
Renato Veiga → Nuno Mendes — Spielt frei
Veiga ist Linksfuß, sodass der Pass entlang der Linie über seinen starken Fuß läuft und keine Körperdrehung verlangt. Portugal setzt Mendes früh ein, noch bevor der gegnerische Flügelspieler zurückgefallen ist, und bringt den Linksverteidiger so ohne langwierigen Aufbau ins letzte Drittel.
Rúben Dias → Renato Veiga — Sichert ab
Mendes hinterlässt hinter sich eine Lücke, in die Veiga nach außen rückt. Dias sichert wiederum den von Veiga verlassenen Raum ab und wird zum zentralen Mann einer zur linken Seitenlinie verschobenen Dreierkette. Kommt diese Verschiebung zu spät, läuft der Konter über Portugals linke Seite.
João Cancelo ↔ João Neves — Rückt neben ein
Cancelo rückt von rechts ein und stellt sich neben Neves, statt Neto zu hinterlaufen. Dadurch besitzt Portugal in der ersten Phase im zentralen Mittelfeld eine Drei-gegen-zwei-Überzahl und bei einem Ballverlust auf dieser Seite einen Verteidiger in Ballnähe.
Vitinha → Renato Veiga — Lässt sich zwischen fallen
Unter Druck lässt sich Vitinha auf die Höhe der Innenverteidiger fallen und übernimmt den Ball von Veiga. Damit kommt ein weiterer Spieler in die erste Aufbaulinie und zieht zugleich einen gegnerischen Mittelfeldspieler heraus. Diese Bewegung öffnet Portugals Aufbau gegen Teams, die mit zwei Spielern pressen.
Vitinha ↔ João Neves — Rochiert mit
Die beiden stehen nie auf derselben Höhe. Rückt Neves zum Pressing oder für einen Lauf in den Strafraum vor, fällt Vitinha zurück und hält den Raum vor der Abwehr. Nach einer Spielverlagerung tauschen sie die Rollen. Keiner von beiden ist ein fest positionierter Sechser.
João Neves → Bruno Fernandes — Startet hinter
Neves ist in der Doppelsechs der Läufer, nicht der absichernde Spieler. Dreht Bruno zur Abwehr auf, zieht Neves an ihm vorbei in den Strafraum und sorgt damit für einen nachrückenden Mittelfeldspieler, den eine alleinige Spitze niemals selbst erzeugen könnte.
Bruno Fernandes ↔ João Félix — Kombiniert mit
Beide wollen den Ball im linken Halbraum und besetzen ihn deshalb abwechselnd. Félix driftet in den Raum des Zehners, während Bruno breiter oder tiefer rochiert. Ihre kurzen Kombinationen sind Portugals wichtigster Weg durch einen kompakten Block auf dieser Seite.
Bruno Fernandes ↔ Cristiano Ronaldo — Presst mit
Portugals erste Pressinglinie besteht aus einem Duo, nicht aus einer alleinigen Spitze. Ronaldo schirmt den Raum vor den Innenverteidigern ab, Bruno rückt neben ihn vor. Sobald der Ball nach hinten gespielt wird, wird so aus dem 4-2-3-1 ein 4-4-2.
Pedro Neto → João Cancelo — Hält die Breite für
Dass Neto an der Seitenlinie bleibt, ermöglicht Cancelos eingerückte Position. Einer der beiden muss die Außenbahn besetzen. Weil Neto im isolierten Dribbling stärker ist, gibt Portugal ihm die Breite und überlässt dem Außenverteidiger die zentrale Aufgabe.
Pedro Neto → Cristiano Ronaldo — Flankt auf
Weil Ronaldo im Fünfmeterraum wartet, statt sich zum Kombinieren fallen zu lassen, braucht Portugal Hereingaben. Die direkteste Variante entsteht, wenn Neto seinen Gegenspieler schlägt und früh flankt. Auf dieses Muster greift Portugal zurück, sobald das Zentrum geschlossen ist.
Cristiano Ronaldo → João Félix — Schafft Raum für
Ronaldos Positionierung bindet beide Innenverteidiger tief, selbst wenn er nicht angespielt wird. Damit hilft er Félix, der von links in die Lücke zwischen den zurückweichenden Verteidigern und dem Torwart stößt, meist wenn der Ball von der gegenüberliegenden Seite kommt.

Taktische Stärken

  • Die Doppelsechs aus Vitinha und João Neves gibt Portugal gegen fast jeden Gegner Ballkontrolle, ohne einen dritten zentralen Mittelfeldspieler zu benötigen.
  • Die Asymmetrie ist beabsichtigt und schwer zu verteidigen: Mendes attackiert links weit vorn die Seitenlinie, während Cancelo rechts eng aufbaut.
  • Mit Bruno Fernandes auf der zweiten Linie kann Portugal den Ball mit einem einzigen Pass nach vorn bringen, sobald die Doppelsechs zugestellt ist.
  • Die individuelle Qualität auf den Außenbahnen, von Neto und Félix bis zu Bernardo Silva, Rafael Leão und Francisco Conceição, erlaubt Veränderungen im Angriff, ohne die Ordnung umzustellen.
  • Diogo Costas Spieleröffnung macht aus Abstößen Ballbesitz statt bloßem Raumgewinn.
  • Der Kader ist so tief besetzt, dass Rúben Neves, Tomás Araújo und Gonçalo Ramos jeweils einen Stammspieler ersetzen können, ohne das System zu verändern.

Taktische Schwächen

  • Der Raum hinter Nuno Mendes lädt ständig zum Angriff ein, und eine einzige Verlagerung kann ihn erreichen, bevor die Abwehrkette herübergeschoben ist.
  • Eine auf einen Strafraumstürmer ausgerichtete erste Linie presst weniger, als es der Block dahinter benötigt. Gegner können sie deshalb mit einem Rückpass und dem Weg außen herum überspielen.
  • Kompakte Gegner haben Portugal wiederholt vor Probleme gestellt: ein 2:2 gegen Ungarn, eine 0:2-Niederlage in Dublin und ein torloses Remis gegen Kolumbien.
  • Wird Vitinha aus dem Aufbau genommen, verliert Portugal den Mittelfeldspieler, über den die gesamte erste Phase läuft.
  • Auf Bruno Fernandes lastet zu viel kreative Verantwortung. Wird er auf der zweiten Linie aus dem Spiel genommen, reduziert sich der Angriff auf Flanken.

Bekannte taktische Merkmale

Die Doppelsechs aus Vitinha und João Neves
Zwei absichernde Spieler statt eines Mittelfeldtrios sind die prägende Entscheidung dieser portugiesischen Mannschaft. Dadurch kann Bruno Fernandes als echter Zehner agieren, während das Zentrum besetzt bleibt, weil Vitinha seine Position hält und Neves das Pressing sowie die Laufarbeit übernimmt. Das Duo spielt jede Woche bei Paris Saint-Germain zusammen, was sich an der selbstverständlichen gegenseitigen Absicherung zeigt.
Nuno Mendes als fünfter Angreifer
Mendes steht auf dem Spielbogen in der Viererkette, spielt aber wie ein Flügelstürmer. Er beginnt auf Höhe der Innenverteidiger und steht nach wenigen Pässen neben den Angreifern. Portugals gesamte linke Seite ist darauf ausgerichtet: Veiga sichert hinter ihm ab, Dias schiebt herüber und Félix zieht nach innen, sodass die Seitenlinie allein Mendes gehört.
Bruno Fernandes auf der zweiten Linie
Die Position des Zehners auf der Taktiktafel, zwischen der Doppelsechs und der vordersten Linie statt auf deren Höhe, entspricht Brunos tatsächlichem Aktionsraum. Er lässt sich für ein Anspiel mit Blick zum Spiel fallen, dreht auf und setzt entweder einen Flügelspieler ein oder dribbelt selbst auf die Abwehr zu. Deshalb wirkt Portugal auch ideenarm, wenn er eng gedeckt wird.
Ein 4-4-2-Mittelfeldblock gegen den Ball
Portugal presst nicht lange hoch. Nach einem Ballverlust fällt die Ordnung in zwei Viererketten zurück, Bruno steht neben Ronaldo, die Flügelspieler rücken ein und die Doppelsechs hält ihre Linie vor den Innenverteidigern. Ziel ist es, kompakt zu bleiben und das Spiel nach außen zu lenken, statt den Ball in der gegnerischen Hälfte zu erobern.
Flanken auf Cristiano Ronaldo
Mit einem Stürmer, der im Strafraum zu Hause ist, lässt sich ein Angriff über Hereingaben von außen am einfachsten wiederholen. Neto flankt früh von rechts, Mendes aus tieferer Position von links, und Ronaldo attackiert den kurzen Pfosten. Neben dem Passspiel im Mittelfeld wirkt dieses Muster grob, und gegen einen gut organisierten Strafraum reicht es nicht aus.

Machen Sie sie zu Ihrer eigenen

Besetze die Doppelsechs neu, ziehe Nuno Mendes in die Abwehrkette zurück oder zeichne die Pressingverbindungen anders — jeder Spieler, jede Rolle, jede Einheit und jede Verbindung lässt sich bearbeiten.

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Häufig gestellte Fragen

In welcher Formation spielt Portugal?

Portugal trat in allen drei Gruppenspielen der WM 2026 und erneut im Achtelfinale gegen Spanien in einem 4-2-3-1 an. Vitinha und João Neves bildeten die Doppelsechs vor der Viererkette, Bruno Fernandes spielte als Zehner, Pedro Neto und João Félix besetzten die Außenpositionen und Cristiano Ronaldo agierte als alleinige Spitze.

Wer ist Portugals Nationaltrainer?

Roberto Martínez trainierte Portugal von 2023 bis einschließlich der Saison 2025/26 und trat unmittelbar nach der Achtelfinalniederlage gegen Spanien bei der WM 2026 zurück. Im Juli 2026 wurde Jorge Jesus zu seinem Nachfolger ernannt. Die hier gezeigte Formation setzte Martínez während dieser letzten Kampagne ein.

Warum spielt Portugal mit zwei absichernden Mittelfeldspielern?

Die Doppelsechs hält das Zentrum besetzt, während Bruno Fernandes als offensiver Mittelfeldspieler agiert und Nuno Mendes links weit vorschiebt. Vitinha hält seine Position und eröffnet den Aufbau; João Neves presst, sichert den eingerückten Rechtsverteidiger ab und stößt in den Strafraum.

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